Bericht: Summer School “Theorie und Praxis ökonomischer Politikberatung” (07.-09. September 2020)

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Wie können junge ÖkonomInnen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen?

Unter dieser Frage veranstaltete das Netzwerk ökonomische Bildung und Beratung (NÖBB e.V.) zum zweiten Jahr in Folge die Summer School „Theorie und Praxis ökonomischer Politikberatung“. Nach der bereits hohen Nachfrage im Vorjahr nahmen auch dieses Jahr rund 40 StudentInnen und DoktorandInnen an der Summer School teil, die diesmal im Online-Format stattfand. Drei Tage lang konnten sich TeilnehmerInnen und ReferentInnen intensiv über den Beruf der Politikberatung, über Erfahrungen und Erwartungen, austauschen und diskutieren.

Inhalte

Nach der Begrüßung durch Hauptorganisator Tom Bauermann (Ruhr-Universität Bochum) und den Vorsitzenden des Netzwerkes für ökonomische Bildung und Beratung Prof. Dr. Michael Roos (Ruhr-Universität Bochum) ging es gleich los mit einer Einführung in die Theorie der Politikberatung. Dabei sprach Michael Roos unter anderem darüber, wie Berater als Vermittler zwischen Wissenschaft und Politik auftreten und die Kommunikation zwischen den beiden ungleichen Welten gestalten. Er gab außerdem einen Überblick über Arten, Funktionen und Aufgaben der Politikberatung und diskutierte die Rolle von Werturteilen am Beispiel des Umgangs mit der ökologischen Krise.

Im Anschluss an den theoretischen Teil waren neun weitere ReferentInnen eingeladen, um als Vertreter aus Politik und Beratung von ihren Erfahrungen in der Praxis zu berichten. Den Start machten Jonathan Barth und Jakob Hafele vom Institut für zukunftsfähige Ökonomien (ZOE), die darüber sprachen, wie sie Strategien für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften in die Politik tragen.

Den Dienstagmorgen eröffnete Carsten Sieling, der als ehemaliger Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen über den Prozess politischer Entscheidungsfindungen in Krisenzeiten sowie den Einfluss der Politikberatung dabei berichtete. Im Anschluss daran zeigte Prof. Dr. Jutta Günther am Beispiel eines Gutachtens über die Innovationssysteme in Ostdeutschland, wie ein solches Gutachten im Zeitverlauf entsteht und wie Medien durch ihre Berichterstattung die Auswirkungen des Berichts beeinflussen können. Sie initiierte außerdem eine aktive Diskussion über die Ableitung politischer Empfehlungen aus empirischen Analysen und die verschiedenen Wege, über die WissenschaftlerInnen ihre Erkenntnisse öffentlich kommunizieren können. Den darauffolgenden Vortrag nutzte Dr. Gisela Philipsenburg, um über ihre Arbeit an der Hightech-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu berichten und die Rolle der Politikberatung im Entwicklungsprozess eines solchen Projektes zu veranschaulichen.

Am dritten und letzten Tag begann Thomas Birringer als Vertreter der Konrad-Adenauer Stiftung mit einem Vortrag über Anforderungen und Arbeitsalltag in einer politischen Stiftung in Deutschland. Danach stellte Dr. Sebastian Gechert ein Gutachten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zur CO2-Bepreisung vor. Er sprach über den Entstehungsprozess und die verwendete wissenschaftliche Methode des Gutachtens und verglich die Ergebnisse anschließend mit dem Klimapaket der Bundesregierung. Den Abschluss der Summer School bildete eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Sebastian Dullien (wissenschaftlicher Direktor des IMK) und Dr. Tobias Hentze (Senior Economist für Finanz- und Steuerpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft (IW)). In der Debatte über die Abschaffung des Solidaritätszuschlags demonstrierten sie, wie eine solche öffentliche Diskussion aussieht, wie Argumente formuliert und Ideen ausgetauscht werden.

Austausch und Diskussionen

Alle Vorträge wurden begleitet von spannenden Diskussionen und wertvollen Kommentaren. Viel Gesprächsstoff boten die Fragen nach den politischen Wertvorstellungen im Rahmen der Beratung und nach der Umsetzbarkeit von Empfehlungen. Dabei wurden immer wieder die Parallelen zwischen der eingangs präsentierten Theorie und den Praxisberichten aufgegriffen. Besonderes Interesse galt auch dem Berufsalltag der BeraterInnen und vor allem den Hindernissen, auf die sie in der politischen Sphäre stoßen.

So kam es, dass auch die Kaffeepausen ausgiebig genutzt wurden. Ausgestattet mit zuvor versendeten Tee- und Kaffeepaketen hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, weiter mit den Referierenden im Dialog zu bleiben oder sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen. Mithilfe von individuellen Steckbriefen konnte man sich kennenlernen und anschließend die Kaffeepausen nutzen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Wir freuen uns über den großen Erfolg der Summer School und möchten uns im Namen des Netzwerks Ökonomische Bildung und Beratung herzlich bei allen Beteiligten bedanken! Auch im nächsten Jahr soll die Summer School stattfinden, dann vielleicht wieder vor Ort in Bochum.